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Kaffee, Klatsch und kein Verein
Foto: André Chrost

Kaffee, Klatsch und kein Verein

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Laura Tirier-Hontoy

Mit Café Allez bringt Fynn Caspari nicht nur Kaffee nach Deuten.

Zwischen Schermbeck und Deuten führt die Bundesstraße B58 durch Felder und Wald. Dann taucht plötzlich, fast ein wenig versteckt, die Tüshaus Mühle auf. Wasser glitzert zwischen den Bäumen, der Hammbach speist den Mühlenteich, Bänke stehen im Grünen. Ein kleines Idyll, an dem man kurz langsamer werden möchte. Seit Kurzem gibt es noch einen Grund anzuhalten: Fynn Caspari und sein mobiles Café Allez.

Hier bleibt es selten ruhig. Spaziergänger und Hundebesitzer kommen angeschlendert, Wagen fahren vor. Mancher kommt direkt von der Arbeit, um sich den wohlverdienten Kaffee abzuholen. Es wird bestellt, gegrüßt und kurz geschnackt. Für Caspari sind diese Gespräche wichtiger als eine möglichst lange Bestellliste.

Mehr Dorfplatz als Kaffeewagen

Deuten ist ländlich. Wer auf dem Dorf Anschluss sucht, landet häufig bei Fußball oder Schützenfest. Wer damit wenig anfangen kann, muss andere Wege finden. Caspari kennt das selbst: „Auf dem Dorf ist es nie easy.“ Sein Wagen soll deshalb ein Treffpunkt ohne Eintrittskarte und Mitgliedschaft sein. Einer, an dem Kinder, Berufstätige, Senioren, Alteingesessene und Zugezogene nebeneinanderstehen und bestenfalls miteinander reden. „Ich wollte einen Ort schaffen, der niedrigschwellig ist“, sagt der 28-Jährige. Einen Platz, der Begegnungen zurückholt, „die das Internet uns so ein bisschen nimmt“.

„Ich wollte einen Ort schaffen, der niedrigschwellig ist.“

Das Thema ist für ihn persönlich. Einsamkeit sei ein „riesiges Problem“, vor allem seit Corona, und für seine Generation. „Wir kugeln uns ein in Algorithmen, verschanzen uns in unseren Internet-Blasen und kommen kaum mit anderen Leben in Berührung.“ Sein Gegenentwurf klingt denkbar einfach: rausgehen, anhalten, ein paar Worte wechseln.

Volle Schlange, ruhiger Kopf

Caspari selbst ist jemand, der Bewegung braucht, mit all ihren Auf-und-Abs. „Eine gerade Linie haben nur Tote“, sagt er und lacht. Der Name Allez ist deshalb nicht nur dem Anfeuerungsruf aus dem Radsport geschuldet, sondern auch Lebensmotto: weitermachen, ausprobieren, notfalls ins kalte Wasser springen. Viel Geld oder einen bis ins Detail ausgearbeiteten Businessplan hatte er zu Beginn nicht. Dafür den Wunsch, etwas durchzuziehen, das nicht nur ihm selbst dient.

Ausgerechnet im größten Trubel findet der nach eigener Aussage hyperaktive Gründer Ruhe. „Wenn hier eine Schlange ist, blühe ich auf.“ Der Wagen ist sein kleines Reich, sein Ort zum „Ausrasten“ – dabei aber bodenständig. Guter Kaffee ja, elitäre Lifestyle-Blase nein. Ihn nervt es, wenn vermeintliche Gemeinschaften vollständig kapitalisiert werden und am Ende eben doch nicht allen offenstehen.

Künftig kann sich Caspari kleine Konzerte an der Mühle vorstellen, außerdem möchte er mit dem Wagen bei Radsportveranstaltungen auftauchen. Vor allem aber will er bleiben: als fester Anlaufpunkt an einem mobilen Café und echter „Charakter im Dorf“.

Der Anfang ist gemacht. Der nächste Wagen rollt auf den Hof, Caspari grüßt herzlich und greift wieder zum Siebträger. Eins steht fest: Sein Plan, Menschen zusammenzubringen, geht auf.

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